Ich war noch niemals auf Saturn

13. Juli 2016 | Aus der Rubrik: Über den Tellerrand

Von Kirchenarchitekturhistorikern und anderen Experten

Detailzeichnung eines Kirchengebäudes.

Beschreibung der Abstände von Wandaufteilungen mit Säulen, Barcelona, 1909.

Zeichner: Josef Durm, Quelle: Wikimedia Commons

Detailzeichnung eines Kirchengebäudes.

Fenster und Türen einer Kirche in Virginia (USA), um 1840.

Zeichner: Dabney Cosby, Quelle: Wikimedia Commons

Detailzeichnung eines Kirchengebäudes.

Grunriss der Großen Moschee in Mekka, 1857.

Zeichner: Richard Francis Burton, Quelle: Wikimedia Commons

Detailzeichnung eines Kirchengebäudes.

Grundriss der großen Synagoge von Lutsk (Ukraine), 19. Jahrhundert.

Herausgeber: N. Sharon, Quelle: Wikimedia Commons

Neulich bin ich über ein Bild auf Twitter gestolpert, das achtzehn verschiedene Arten von Kuppeln auf islamischen Grabstätten aus mehr als eintausend Jahren Baugeschichte zeigt. Dabei musste ich an eine Stelle im Buch (auf Seite 144) denken, bei der es um Benennungen geht, die nur als Teil einer bestimmten Fachsprache Sinn ergeben:

Es ist ein bisschen so, als hätte ein Architekturhistoriker jahrzehntelang alte Kirchen erforscht – und würde dann genötigt, mit seinen gewohnten Begriffen auch Krankenhäuser und Autobahnbrücken zu beschreiben. Ein Leser seiner Ausarbeitungen würde wohl zu Recht bemängeln, dass Begriffe wie „Glocken­turm“, „Altar“ oder „Kanzel“ weder für Autobahnbrücken noch für Krankenhäuser geeignet sind.

Bei dem Beispiel mit der Architekturgeschichte von Kirchen hatte ich mir nicht allzu viel gedacht – deshalb war ich freudig überrascht, über hübsches Bildmaterial zu genau dieser Disziplin zu stolpern. Es zeigt sich einmal mehr: Jedes, aber auch wirklich jedes Thema hat es Experten, die sich dafür begeistern. Mir macht es immer wieder Freude, solche Experten kennenzulernen und Einblicke in ihre Welt zu bekommen.

Einmal habe ich einen Biologen kennen gelernt, der sich mit dem Paarungsverhalten von Gottesanbeterinnen beschäftigt und die Frage nach den aufgefressenen Männchen nicht mehr hören konnte. Ein anderes Mal haben Verkehrsforscher über das Buch eines berühmten Kollegen gesprochen. Ich kann mich weder an dessen Namen noch an das Buch erinnern, aber eins blieb hängen: Er ist als „der Kreiselpapst“ bekannt, und nur wer seine Bücher kennt, ist qualifiziert einen Kreisverkehr planen!

Eine gute Gelegenheit, solche und andere amüsante Einblicke in Expertenwelten zu erlangen sind übrigens Besuche bei Veranstaltungen wie Science Slams oder FameLab-Wettbewerben. In gemütlicher Runde tragen begeisterte Forscherinnen und Forscher vor, was sie bewegt – und es gibt garantiert immer etwas zu lernen, von dem man noch nie gehört hat.

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Die Umschlag-Vorderseite von „Ich war noch niemals auf Saturn“: Eine comichaft gezeichnete Rakete fliegt von der Erde zum Mond, auf einem Bullauge schaut ein lächelnder junger Mann.

Buch € 9,99

eBook € 8,99